fluc
mittwoch 17. september 2008

In der Kubatur des Kabinetts - der Kunstsalon im Fluc
Sonja Gangl: XXX_MOVIE 2008

Popisme ou barbarie: 1966; djs kobald und wallner
ein abend mit 4 LP's von 1966: Revolver (The Beatles),
Face to Face (The Kinks),
Freak Out! (The Mothers of Invention),
Pet Sounds (The Beach Boys)


Zensur und Begehren
Zur Kubatur des Kabinetts von Sonja Gangl

Die künstlerische Arbeit von Sonja Gangl setzt sich mit Situationen des Begehrens auseinander, die sich in filmischen und fotografischen Momenten konstituieren.
Die zentrale Frage, die sich in Film und Fotografie stellt, ist stets jene des gewählten bildnerischen Ausschnitts, der zur Wahrnehmung der sich jeweils subjektiv generierenden Realität beiträgt.

Gangl geht in ihren Arbeiten einen Schritt weiter, indem sie zur Verfügung stehendes Bildmaterial bearbeitet und dabei jene bereits vorformulierten Momente des Begehrens potenziert. Der skopophile Blick, der nach Sigmund Freud die Freude am Sehen darstellt, wird von Gangl hinsichtlich seiner Körperlichkeit überprüft und in erneute bildnerische Zusammenhänge gestellt. Wie verhält es sich mit der dargestellten Körperlichkeit in Pornofilmen und ihrer voyeuristischen Komponente, die eine weitere Steigerung des Verlangens nach Körperlichkeit erzeugt und jenes Verlangen im Film mit der physischen Konstituiertheit der BetrachterInnen vereint?

Bezugnehmend auf unterschiedliche Arbeiten, in denen Gangl Bildmotive übermalt oder bearbeitet, so dass die Bildoberfläche hauptsächlich schwarz erscheint und nur ein Zensurbalken entgegen seiner ursprünglichen Funktion Bildteile freilegt, so verwendet Gangl auch in der eigens für das FLUC gestalteten Videoarbeit xxx-Movie jenen Zensurbalken, der über die Bildoberfläche läuft und den BetrachterInnen Teile des Filmes zeigt. Bei den BesucherInnen des Lokals wird somit bildliches Verlangen erzeugt, das sie automatisch in die Situation von VoyeurInnen bringt und bei manchen unweigerlich ein Unbehagen hinsichtlich ihres eigenen Verhaltens im Lokal auslöst.

Sonja Gangl verbindet somit das Vokabular einer Reiz-überfluteten filmischen Sprache mit jener Reizerzeugung, die durch die Interaktion von BesucherInnen eines Lokals entsteht und verknüpft dadurch private und öffentliche Sehmomente, die in Situationen des Begehrens im Sinne von Jacques Lacan das Begehren selbst als Verlangen nach Realität darstellt, das durch seine bildliche Vervielfachung jedoch stets unerreichbar bleibt.

Walter Seidl



back

fluc - immer eintritt frei - dj's ab 21Uhr - live ab 22Uhr
täglich ab 18Uhr - bis Sperrstunde [4Uhr]

 

 

 

 



still from XXX_MOVIE, 2008, 01:00:00, loop